Kölner Hochhäuser


Der Bau von Türmen hat in Köln eine lange Tradition. Ähnlich wie in den Patrizierstädten Norditaliens, bauten sich auch in Köln die adeligen Familien, aber auch die Gaffeln und Zünfte an ihre Paläste oft sogenannte Geschlechtertürme. Sie dienten allerdings nicht, wie in Bologna, der Verteidigung, sondern vielmehr der Darstellung von Reichtum und Einfluss. Gemeinsam mit den Türmen der vielen Kirchen konnte man also bereits im Mittelalter von einer Kölner Skyline sprechen.


Die Vollendung der Domtürme im Jahr 1880 machten Köln für die nächsten vier Jahre zur Heimat des höchsten Gebäudes der Welt.
Nach dem Aufkommen der neuen Bautyps „Hochhaus“ in den USA, befürwortete vor allem der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer nach dem Ende des Ersten Weltkrieg den Bau in die Höhe. Er holte 1920 den Stadtbaumeister Fritz Schuhmacher aus Hamburg an den Rhein.

Zwei Großprojekte sollten die „Bedeutung und Wirtschaftskraft der Stadt“ herausstellen: Zum einen wollte Adenauer am Aachener Weiher eine monumentale Hochhausbebauung für ein mögliches Regierungsviertel umsetzen (zu dieser Zeit gab es separatistische Bewegungen im Rheinland), zum anderen wollte er am Heumarkt einen ebenso monumentalen „Brückenkopf“ errichten, durch dessen Torbogen die geplante Ost-West-Achse (Deutzer Brücke über Neumarkt entlang der Aachener Straße bis Weiden) führte.

Wettbewerb zur Bebauung des Heumarkts, 1920. Vorne die damalige Deutzer Hängebrücke über den Rhein, links die alten Markthallen (heute Hotel).


Da man im Kölner Rathaus und auch auf Seiten des Erzbischofs Veränderungen an der Silhouette der Stadt in Bezug auf die Prominenz des Doms schon damals sehr skeptisch gegenüber stand, wurde keiner der beiden Pläne umgesetzt.
Erst 1924 wurde in Köln das erste Haus gebaut, das auch nur annähernd die magische Marke von 50 Metern überschritt: Das expressionistische Hansa-Hochhaus am gleichnamigen Abschnitt der Kölner Ringe. Für kurze Zeit hatte Köln das höchste Hochhaus Europas. Obwohl die Diskussion um den sogenannten Brückenkopf immer wieder aufkam, wurden im weiteren Verlauf der 20er- und 30er Jahre keine weiteren Hochhäuser erbaut.

Die Nachkriegszeit

Nach dem Krieg übernahm der Straßburger Architekt Rudolf Schwarz die Generalplanung für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Er sprach er sich für einen „behutsamen Umgang mit historischen Stadtstrukturen auf Grundlage des modernen Städtebaus“ aus. Um die Maßstäbe der geschichtsträchtigen Gebäude zu respektieren, wurden die Gebäudegrößen in ihrem direkten Umfeld teilweise auf drei Etagen beschränkt.
Erst 1953 wurde mit dem Haus Gerling, der Konzernzentrale des Kölner Versicherungsunternehmens, ein 55 Meter hoher städtebaulicher Akzent gesetzt.

1968 übernahm Werner Baecker die Leitung des Hochbauamts. Nachdem seine Ideen einer Neugestaltung der Domplatte und Überbauung des Rheins im Bereich des Doms auf starke Ablehnung stießen, vertrat auch er die Ansicht, dass das historische Zentrum weitgehend frei von Hochhäusern bleiben sollte und das linksrheinische Rheinpanorama nicht beeinträchtigt werden dürfe. Nach dem Prinzip „Urbanität durch Verdichtung“ sollten aber an wichtigen Verkehrsknotenpunkten, sowie an den Ringstraßen und Achsen der Stadt „hochverdichtete Intensiv-Räume“ entstehen, die auch an Schnittstellen des ÖPNV liegen sollten, denn auch der Ausbau des Nahverkehrs und die Reduzierung von Autos im innerstädtischen Bereich war Baecker ein Anliegen. Die gleichmäßige Verteilung von mehreren Ballungsräumen „an wertvollen Landschaftsteilen“ über die gesamte Stadt erschien ihm ebenfalls wertvoller, als die „Frankfurter Lösung“, der Konzentration von Hochhäusern in der Innenstadt. Im Nachhinein betrachtet wurde Baeckers Plan jedoch nicht entschieden genug verfolgt, sodass die Anordnung der Cluster heute eher willkürlich erscheint. Dennoch wurden in seiner Amtszeit einige größere Projekte umgesetzt. So zum Beispiel das Herkules Haus, das Uni-Center, das Colonia Hochhaus und der Ringturm. Auch das DLF Sendezentrum und das mittlerweise abgerissene Deutsche-Welle-Hochhaus in Raderthal sowie der Allianz Wohnpark in Bayenthal gehören zum Verdichtungsplan. 1980 gab Baecker sein Amt ab.
Teilweise verfolgte die Stadt seine Pläne noch weiter, wie man am Bau des Justizzentrums an der Luxemburger Straße von 1981 sehen kann. In den Folgejahren wurden sie dann aber komplett aufgegeben.

Der Streit um das UNESCO Welterbe „Kölner Dom“

Wie in fast allen deutschen Großstädten begann auch in Köln in den 1990er Jahren eine neue Hochhausdebatte. Da die Innenstadt nach wie vor in den Augen der Kölner Verwaltung eine „No-Build-Zone“ darstellt, wird überlegt, im rechtsrheinischen Deutz eine Konzentration von Hochhäusern von 100 bis 120 Metern Höhe entstehen zu lassen. Der damals geplante Ausbau des Deutzer Bahnhofs zum ICE Terminal, sollte der „Schäl Sick“ einen Wachstums- und Wirtschaftsschub geben.

1996 wird der Dom in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Auch anderer Stelle wachsen Ende der 1990er Jahre in Köln abermals mehrere Türme in die Höhe. Angefangen vom eher niedrigen Ringkarree von Sir Norman Foster, ist es vor allem ein Gebäude, das die Skyline der Stadt nachhaltig verändern wird.
2001 wird der KölnTurm, der im an eine italienische Piazza angelehnten Ensemble des Mediaparks den Campanile symbolisiert, eröffnet.

In Deutz schritten die Planungen währenddessen voran. Der LVR sollte ein neues Hochhaus von Architekt Helmuth Jahn mit einer Höhe von 110 Metern erhalten.
Am 5. Juli 2004 setzte die UNESCO den Kölner Dom auf die „Rote Liste von gefährdeten Weltkulturerbestätten“.
Auf Druck von weiteren Organisationen und Gutachtern richtete die Stadt Köln 2005 eine 200ha große Pufferzone um den Dom ein. Die Pläne, ein „Kölsches Manhattan“ in Deutz zu errichten, sind damit geplatzt.

Die Situation heute

Ein Gebäude aus den Planungen konnte allerdings errichtet werden: Das 105 Meter hohe KölnTriangle direkt am Rhein. Mit den Kranhäusern im Rheinauhafen (2008), dem Wohnturm „Opal“ (2018) und zuletzt dem neuen Bürogebäude der Zurich Versicherung (2019) werden weiterhin Hochhäuser in Köln gebaut, denn die Premisse der 70er Jahre, durch Verdichtung im Zentrum das Problem des Wohnungsmangels in beliebten Lagen in den Griff zu bekommen, ist in Köln aktueller den je.


Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Entwurf des Kölner Architekten Martin Bachem „STADTPLASTIK„, der als Lösung des Problems einen gläsernen Hochhausring entlang der Kölner Boulevards „Ringe“ vorschlägt. Ein gewagter, aber sehr ambitionierter Ansatz, durch konsequente Verdichtung im Innenstadtbereich Wohnraum zu schaffen, ohne die historischen Strukturen der Stadt zu zerstören.
Momentan aktuellstes Vorhaben sind die sogenannten „2 Türme“. Direkt neben dem Colonius an der Inneren Kanalstraße gelegen, knüpfen sie wieder an Werner Baeckers Plan an. Allerdings – und wie könnte es anders sein – ist auch um ihre Errichtung schon wieder ein Streit im Rat der Stadt entbrannt, sodass das Projekt momentan auf Eis liegt …

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