Zwischen Dauerschließung und Coronapause:
Außergewöhnliche Kölner Ausflugslokale


Die Temperaturen steigen langsam und anstehende Feiertage, wie Pfingsten laden traditionell zu Ausflügen ein.
Bis vor einigen Jahren hatten wir Kölner die Qual der Wahl zwischen Ausflugslokalen, die uns einen uneingeschränkten Blick auf den Rhein, einen Panoramablick über unsere Stadt, oder Erdbeerkuchen im Ambiente der 50er Jahre genießen lassen konnten, doch seit Mitte der 1990er Jahre haben nach und nach immer mehr beliebte Ausflugslokale dauerhaft geschlossen. Wieso das so ist, warum wir immer noch Hoffnung haben können und welche tollen Alternativen es gibt, ist diese Woche das Thema bei stadtflimmern.

Historische Ausflugslokale


Zwei der bekannten historischen Kölner Ausflugslokale waren im Stadtwald. Der Park, der Ende des 19. Jahrhunderts im als Wohnkolonie geplanten Vorort Lindenthal angelegt wurde, erfreute sich vor allem am Wochenende großer Beliebtheit. In der großzügigen Anlage im Stil des Historismus konnten die Kölner schon damals an künstlich angelegten Kanälen flanieren, Enten füttern und in strengen Wintern sogar auf den Weihern Eislaufen. Damit auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt war, baute man zwei Ausflugslokale: Die im englischen Landhausstil erbaute „Waldschenke“ und das Stadtwald-Restaurant. Dazu baute man die Kitschburg, einen ehemaligen Gutshof, 1901 in ein Ausflugslokal mit großer Terrasse mit Seeblick um. Das Haus umgab außerdem eine Spielwiese und wurde mit einem großen Saal für über 500 Gäste erweitert. Im Sommer beschäftigte man über 50 Angestellte.


Die Waldschenke am Militärring wurde im Zweiten Weltkrieg so schwer beschädigt, dass man sie nicht mehr aufbaute.
Das Gebäude des Stadtwald-Restaurants war nach dem Kriegsende zunächst Offizierskasino für die belgischen Streitkräfte, Mitte der 1960er Jahre verkaufte es die Stadt an die schwedische Tochter des amerikanischen Mineralölkonzerns Esso. Diese riss das historische Gebäude ab und errichtete 1970, dem Zeitgeist folgend, dort ihr „Esso Motorhome“, eine Art besseres Motel samt angrenzender Tankstelle für Geschäftsreisende. Die Tankstelle und das Hotel existieren bis heute unter immer wieder wechselnden Namen auf der Dürener Straße am Stadtwald. Von der Kitschburg selbst existiert nur noch ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude.

Ebenso wie die Lokale im Stadtwald hat auch das Mülheimer Häuschen in der sogenannten Goldenen Ecke (dazu später mehr) die Zeit nicht überlebt. Es fiel 1929 dem Bau der Mülheimer Brücke zum Opfer.

Brandschutz und hohe Sanierungskosten

Ganz so ein finales Ende hatten einige der Ausflugslokale, die stadtflimmern diese Woche vorstellt, jedoch nicht.
Das Restaurant im Messeturm, zum Beispiel, oder die Bastei existieren immer noch, doch beide stehen leer und werden zur Zeit nicht bewirtschaftet.
Das gleiche gilt für den Kölner Fernsehturm „Colonius“. Doch was steckt dahinter?
Eine einfache Recherche beantwortet die Frage mit: „Brandschutzvorgaben“.
Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Brandschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen immer weiter verschärft. Einige Kommunen sprechen sogar von einer „Überregulierung“. Ein benötigter Umbau lässt die Pachtkosten derart in die Höhe treiben, dass der Betrieb von Gaststätten in historischen Gebäuden schlicht nicht mehr lukrativ ist. Geregelt werden in der Verordnung die Anforderungen an Bauteile, Rettungswege, Türen, Stromversorgung und Alarmanlagen. Bei historischen Gebäuden kann unter Umständen nicht jede notwendige Umsetzung oder Modernisierung ohne Weiteres durchgeführt werden. Wenn die Bauten außerdem noch längere Zeit leer gestanden haben, ist der finanzielle Aufwand für eine Wiederinbetriebnahme so hoch, dass sich das nur sehr wenige trauen, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen.


Drei Beispiele:
Das Restaurant im Messeturm von 1928 ist mit dem skandalträchtigen Verkauf der Messehallen an die Oppenheim-Esch Holding, und die anschließende Rück- und Untervermietung der Rheinhallen 2005 an die Mediengruppe RTL übergegangen. RTL hatte jedoch von Anfang an nicht vor, den Turm als Nutzfläche zu verwenden. Eine Verpachtung an Gastronomie schloss man allerdings auch nicht aus. Nach dem Inkrafttreten neuer Brandschutzverordnungen und weiterer technischer Probleme hieß es aber dann: Eine Wiederaufnahme des Restaurantbetriebs sei nicht mehr geplant. Stattdessen sollten die Räume im denkmalgeschützten Messeturm zu Luxusapartments umgebaut werden. Konkrete Planungen in diese Richtung wurden aber seit 2011 nicht mehr weiterverfolgt. Der Turm bleibt also leer und sich selbst überlassen. Auch die geplanten Gastronomiebetriebe in den Arkaden der Rheinhallen sind nicht über die Planungsphase hinausgekommen.

Wesentlich jüngeren Baujahrs ist die „Funkübertragungsstelle Köln 8“, wie der Kölner Fernsehturm Colonius offiziell heißt. Erst 1981 wurde er eingeweiht und ist seitdem mit 266m das höchste Gebäude Nordrhein-Westfalens.
Im unteren Teil der Kanzel gab es ein Dreh-Restaurant, das sich innerhalb von 60 Minuten einmal um sich selbst drehte. Im oberen Stockwerk befand sich eine Discothek. Jeden Freitag Abend war hier die „Ufo“ zu Gast; eine Techno-Party, die, neben dem Resident DJ Christian Linder (der Politiker heißt LindNer), sämtliche große Namen der damaligen Techno-Szene an den Turntables hatte. Angeblich wurde so heftig gefeiert, dass es während der Parties zu Störungen des Funksendebetriebs durch wummernde Bässe kam. In die Schlagzeilen geriet die Veranstaltungslocation jedoch erst, als zu Silvester Anfang der 1990er Jahre eine Panik wegen Überfüllung ausbrach. Seit 1994 findet das Restaurant keinen Pächter mehr, die gesamte Aussichtsplattform wurde 1998 für die Öffentlichkeit geschlossen. Auch hier sind es die neuen Brandschutzverordnungen, aber auch mangelndes Interesse seitens der Stadt Köln und der Telekomtochter „Deutsche Funkturm GmbH“, der Besitzerin des Colonius, die einer Wiedereröffnung des Ausflugslokals entgegenstehen. Die Funkübertragung, die eigentliche Aufgabe des Colonius, funktioniert auch ohne Besucher und um die Aussichtsplattform wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, müssten die Aufzüge und Räumlichkeiten für mehrere Millionen Euro saniert werden. Wie teuer eine Revitalisierung genau werden würde, sollte eine Machbarkeitsstudie, die von der Kölner Ratsgruppe GUT im Jahr 2018 initiiert wurde und für die die Stadt Köln Mittel in Höhe von 50.000€ zur Verfügung stellte, überprüfen. Wahrscheinlich ist nämlich, dass sich kein externer Investor auf eine Investition in unbekannter Höhe einlassen dürfte. Die Ergebnisse der Studie sollten im ersten Quartal 2020 veröffentlicht werden. Mit Stand 11. Mai 2020 waren allerdings noch keine weiteren Informationen verfügbar.

Wiederbelebung dauert häufig länger

Ganz ohne Studie mussten Investoren bei einem anderen Kölner Ausflugslokal auskommen: Das Parkcafé aus dem Jahr 1957 im Rheingarten stand nicht nur unter Denkmalschutz, sondern war auch extrem marode, als sich 2015 ein Kölner Architekt und Hotelier und ein Gastronom des seit 2002 verlassenen Gebäudes annahmen und die Stadt Köln mit einem nachhaltigen Konzept davon überzeugen konnten, die richtigen Betreiber für die Immobilie zu sein.
Dass ihre Vorstellung von einer modernen Eventlocation jedoch nicht unbedingt mit den Ansprüchen des modernen Denkmalschutzes übereinstimmten, mussten die Investoren allerdings auch recht schnell lernen.

Zum Glück konnte man sich gütlich einigen, sodass mit einiger Verzögerung im Bauablauf und einer Nachkommastelle mehr auf der Rechnung sowohl das Denkmalamt, als auch die künftigen Betreiber einer geplanten Eröffnung im Jahr 2021 entgegenblicken können.

Ähnliches kann man auch von der Bastei am Rhein behaupten. Diese wurde 2017 von der städtischen Kongressgesellschaft gekauft und wird zur Zeit aufwändig saniert. Lediglich ein Gastronomiekonzept wurde noch nicht erarbeitet. Dass aber wieder ein Restaurantbetrieb in dem 1924 errichteten Bauwerk einziehen soll, steht bereits fest.

Für Ersatz ist gesorgt


Zum Glück bleiben den Kölnerinnen und Kölnern aber noch einige andere außergewöhnliche Ausflugslokale als Alternative. Alle haben sie ihre Geschichte: Die Zündorfer Groov, eigentlich eine Insel, ist mit ihren Sandstränden, Fachwerkhäusern am Marktplatz und dem Jachthafen schon, seitdem sie 1849 mit dem Ufer verbunden wurde, ein Klassiker unter den Kölner Ausflugszielen und die Gaststätten rund um die Nepomukstatue am Fähranleger sind auch nach der Coronakrise wieder für Radfahrer und andere Gäste geöffnet. Das Bootshaus Alte Liebe an der Rodenkirchener Brücke hat ebenfalls schon andere Katastrophen überlebt. So ist es schon zweimal fast vollständig abgebrannt und wurde noch häufiger von vorbeifahrenden Öltankern gerammt. Aber jedes mal wurde es, teilweise sogar mit Hilfe der Stammgäste, aufgebaut und ist bis heute eine Berühmtheit am und auf dem Rhein.
Ein paar Kilometer rheinabwärts kann der Biergarten „Schwimmbad“ sogar behaupten, dass es ihn ohne den Abriss der oben erwähnten Ausflugsgaststätte „Mülheimer Häuschen“, gar nicht gegeben hätte. Durch den Bau der
Mülheimer Brücke mitten durch das „Goldene Ecke“ genannte Vergnügungsviertel zwischen Zoo, Flora und Rhein musste das damalige Luft- und Freibad „Rheinlust“ verlegt werden. Auch das neue Freibad wurde nach dem Bau des Colonia-Hochhauses geschlossen: Die Liegewiese und die obligatorischen Freibad-Fritten gibt es aber heute noch im 70er-Jahre-Freibadambiente: Im vielleicht schönsten Biergarten Kölns mitten in der Goldenen Ecke.

Postkarte mit Sommertheater, Eisbahn und des Panoptikum im Vergnügungsviertel „Goldenen Ecke“ (ca. 1898)

Mehr Infos zu den Lokalen und zu Köln gibt es hier:

Parkcafé

Die Bastei

Altes Schwimmbad

Bootshaus Alte Liebe

KölnTourismus