Made in Kölle

Made in Kölle
Kölner Marken und ihre Geschichte


Dass die Kölner:innen eine lange Tradition in Sachen Marketing haben und in diesem Zusammenhang entweder ihre eigenen Waren gut verkauften, oder die Erfindungen anderer weiterentwickelten und zu großen Marken ausbauten, zeigte sich schon kurz nach der Gründung der römischen Stadt.
Im Römischen Reich waren Glaswaren aus der C.C.A.A., einem Zentrum der Glaskunst in der Antike, sehr begehrt und ein Garant für Qualität.
Bis heute beherbergt das Römisch-Germanische Museum die größte Sammlung römischer Glaswaren weltweit. Die meisten Ausstellungsstücke sind Funde aus Köln selbst.


1164 kam mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige dann die Basis der heutigen „Marke Köln“ in die Stadt. Drei Kronen zieren bis heute das Wappen der Stadt. Rainald von Dassel brachte die Knochen aus Mailand nach Köln. In Mailand eher im Schatten der Kreuzigungsnägel Jesu stehend, machten die Kölner:innen die Königs-Gebeine europaweit bekannt.
Die erfolgreiche Vermarktung von Rinder-, Hühner und anderen Knochen als „echte Reliquien“ der „Weisen aus dem Morgenland“ an die tausenden Pilger:innen, die die Stadt besuchten, machte die Kölner:innen in der Folge sehr wohlhabend. Dass die Kirche den Handel mit angeblichen Reliquien verbot, interessierte nicht so wirklich. Man fand Mittel und Wege.

Hanse und Stapelrecht machten Köln zur internationalen Handelsstadt.


Im Jahr 1259 führte das Stapelrecht zu einer weiteren Steigerung des Kölner Reichtums und der Macht der Stadt.
Auch hier waren die Kölner:innen nicht die Erfinder – die Braunschweiger führten das Recht bereits knapp zehn Jahre zuvor ein – aber die Kölner:innen entwickelten es weiter und ergänzten es:
„Keiner der Kaufleute aus Ungarn, Böhmen, Polen, Bayern, Schwaben, Sachsen, Thüringen, Hessen und jedem möglichen anderen östlichen Gebieten, der mit irgendwelchen Waren an den Rhein kommt“, dürfe über Köln hinaus weiterziehen, zudem ist festgelegt, dass „kein Flame oder Brabanter oder irgendein anderer von jenseits der Maas oder anderer rheinabwärts gelegener Gebiete, gemäß der alten und mit Recht zu befolgenden Gewohnheit, Handel zu treiben, weiter als nach Köln vordringt.“
Stattdessen müssen die fremden Kaufleute in Köln halt machen, ihre Waren ausladen, „stapeln“ – und drei Tage lang den Kölnern zum Verkauf anbieten; unter die Regelung fallen auch alle Güter, die auf dem Landweg nach Köln gebracht werden. Erst nach Ablauf dieser Frist darf das nicht verkaufte Handelsgut wieder verladen werden, allerdings auf andere Schiffe.
Allein das Umladen der Waren bot zahlreichen Kölnern Arbeit im Hafen. Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde ein fest umrissenes Warensortiment als stapelpflichtig festgelegt, etwa das Ventgut – also „feuchte“ Güter wie Fisch, Speck, Öl, Wein und Käse – sowie lebendes Vieh, Baumaterialien, Eisen, Blei oder Stahl Vom Stapelrecht profitierte fortan vor allem der Kölner Zwischenhandel, der von nun nicht mehr zu umgehen war – Köln wurde zur Drehscheibe europäischer Warenströme, der Stapel war bis zu seiner Abschaffung im Jahr 1831 die Grundlage der städtischen Wirtschafts- und Finanzkraft.



Seit dem frühen 14. Jahrhundert war Köln außerdem das südlichste Mitglied der mittelalterlichen Handelsorganisation Hanse. Aus dieser Zeit stammt der andere Teil des Kölner „Markenauftritts“, nämlich die Farben rot und weiß, die Farben der Hanse.

Stapelrecht und Hanse, bzw. die aus ihnen resultierenden hunderte Jahre alten Handelsbeziehungen, sowie Kölns Lage im Zentrum von europäischen Verkehrswegen – zu Land und zu Wasser – führten schließlich auch dazu, dass sich in Köln nicht nur der Handel, sondern auch die Produktion und erste Industrie ansiedelte.

Kölner Marken wurden fast immer von „Immis“ gegründet


Bemerkenswert ist in der gesamten Geschichte der Stadt, dass es häufig Menschen aus anderen Ländern, oder Regionen, also Immis waren, die die Unternehmen gründeten, die später zu bekannten Kölner Marken wurden.
Angefangen bei Giovanni-Maria Farina mit seinem Eau de Cologne, über bergische Protestanten, die sich erst in Köln niederlassen durften, nachdem die Stadt französisch wurde, Brüsseler Nonnen, bis hin zum Fernsehsender RTL, der ja schon seinem Namen nach aus Luxemburg kommt.
Die Kölner Markenlandschaft ist vielfältig, global und doch steckt in jeder Marke bis heute ein Stück Kölle, ob die Form der Ware nun an die Domspitzen erinnern, wie beim Kölner Zucker, oder ob die Farben des Unternehmenslogos an die Stadtfarben erinnern, wie bei Rewe.

Der zunehmende internationale Wettbewerb und die Konsolidierung verschiedener Unternehmen lassen die Kölner Marken aber auch aus der Stadt verschwinden. Aktuellstes Beispiel ist der Wegzug der Kaufhof-Zentrale.
Ob die neue Zentrale in Essen den Konzern retten kann ist fraglich.
Zeitgleich tauchen aber auch neue Player auf, die ihre Marke von Köln aus in die Welt tragen. Das faire und nachhaltige Modelabel Armedangels, gegründet 2007, will sogar aus unserer Stadt die Welt retten.

stadtflimmern präsentiert euch in dieser Woche „Made in Kölle – Kölner Marken und ihre Geschichte“